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Die Entstehung

Das Buch

© 2013 Dr. Frank Köhnlein All rights reserved

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Die Entstehung

Schreiben kann man im Prinzip überall. Echt. Haben Sie zum Beispiel schon mal im Affenhaus geschrieben? Das müssen Sie mal probieren. Sie sitzen da, die Affen langweilen sich direkt vor Ihnen, fummeln sich Salatblätter aus dem Gitter, davor verdappen unüberschaubare Mengen von Kindern die sauberen Scheiben, alle zehn Minuten hören Sie . Aber statt in dieses allgemeine Langeweileelend einzustimmen, sitzen Sie da, trinken altersunangemessene Energiegetränke und produzieren Kunst.Im besten Fall.

Wissen Sie, ich habe tatsächlich überall geschrieben, so lange das Display meines Tablets mitgemacht hat. Pralle Engadiner Sonne, das ist die Grenze. Ich habe trotzdem geschrieben, wusste aber nicht so genau, was ich da tippe, und abends war ich erstaunt, was da mit einem mal lesbar auf dem Bildschirm erschien.(Bei manchem bin ich bis heute überzeugt, dass das nie im Leben ich geschrieben haben kann.)

Das war im September 2012, Samnaun in Graubünden. Da habe ich den Hepp geboren. Dabei war ich nur kurz schwanger gewesen. Eigentlich nur zwei mühsame Bergwanderungen lang. Sehr mühsame Bergwanderungen, ein bisschen wie Wehen. Ich komme aus der Stadt, müssen Sie wissen. Wie auch immer: Da sass dieser komische Kauz mit einem mal am Tisch meiner Ferienwohnung und beanspruchte einen Platz in dem Buch, das zu schreiben ich mir in einer Mischung aus Eitelkeit, Drang, Lust und Wahnsinn in den Kopf gesetzt hatte.

Buch.

Ich kann Ihnen eines sagen:Wenn sich so ein Hepp mal in deinem Kopf neben dem "Buch"-Zentrum eingenistet hat, dann hast du keine Wahl mehr. Du bildest dir zwar ein, du könntest alles steuern und kontrollieren, aber in Wirklichkeit ist die Geschichte schon längst geschrieben. Alles, von Anfang bis Ende.Du selbst bist nur noch der Geschichtsschreiber, keinesfalls der Geschichtenschreiber. Denn der komische Hepp steht hinter dir, glotzt unablässig auf dein Tablet und kontrolliert punktgenau, was du da protokollierst. Du bist der Sklave der Geschichte, die sich da Wanderung um Wanderung mehr in deinem Kopf entrollt.

Dabei hat diese Geschichte erstaunlicherweise auch noch etwas mit dir selbst zu tun. Das ist dir aber alles andere als klar, weil für Selbsterfahrung geht der Psychiater nicht ans Bücherschreiben (kostenlos), sondern zu einem Kollegen oder einer Kollegin (240 Schweizer Franken pro Stunde).

Ich gestehe also: Ich bin mit dem Hepp verwandt. Vermutlich.Und wenn Sie fragen: "Woher kommen diese Ideen?" dann empfehle ich Ihnen einfach, einmal für ein Jahr, es reicht auch ein Monat, in einem Kinder- und Jugendheim als Psychiater zu arbeiten.

Hier zum Beispiel.Hier habe ich knapp sieben Jahre als Jugendpsychiater gearbeitet. Ein Schulheim in Basel für Kinder und Jugendliche, die einen weit schwereren Rucksack auf dem Rücken haben als die meisten anderen, und die man dann auch noch irgendwie in den Wald gestellt hat. Oder die sich selbst dorthin verirrt haben.* Kinder und Jugendliche, die trotz oder vielleicht sogar hier und da auch wegen aller Unterstützung durch ihre Eltern, Verwandte, Lehrer, Ärzte, Sozialarbeiter, Geschwister, Freunde, Pflegefamilien nicht mehr zwischen den Bäumen rausfinden - noch dazu mit dem Rucksack... * Indem ich das schreibe, begreife ich endlich auch, warum das Heim im Buch ausgerechnet "Waldsonnenheim" heisst.

Jede und jeder von denen hat Geschichten für fünf bis zehn Bücher. Und jeden Tag kommen neue dazu.Traurige Geschichten,

Als der Hepp mir am Tisch in der Ferienwohnung in Samnaun erzählt hat, dass er sich genau da zuhause fühlt, dass das genau "seine" Kinder und Jugendlichen sind, weil er überzeugt ist, die machen das nicht ohne guten Grund - oder zumindest machen sie es, weil ihnen noch nichts Besseres eingefallen ist, wie sich der Rucksack durch den Wald schleppen lässt, da war mir klar, das will ich aufschreiben.

Schreiben kann man überall. Und jederzeit. Echt. In der U-Bahn, zwischen zwei Therapien, im Zahnarztwartezimmer, im Zug (besonders gut! Ausprobieren!), beim Fernsehen.Im September hatte ich begonnen, im Dezember war ich fertig. Was dann folgte, war die übliche lustvolle Mühsal des Schreibenden: Korrekturen, Einfügungen, Streichungen, Umstellungen, Verschiebungen, Kürzungen und andere -ungen.Im Januar 2013 hatte ich den Text so, dass ich es wagte, ihn kühn in die Verlagswelt hinauszuschicken. (Warum ich ihn dann doch erst im März 2013 verschickt habe, das müssen Sie beizeiten mal einen Psychoanalytiker fragen. Die haben das gelernt.)Mein Verlagsrundumschlag, die Generalbewerbung erfolgte nicht ohne dass ich mich durch das Studium zahlreicher Internetforen bereits darauf vorbereitet hatte, dass ich bei einhundert "Bewerbungen" mit etwa 200 Absagen rechnen müsste, von denen 250 quasi textidentisch lauten:

"Ihr Manuskript haben wir gründlich und mit Interesse gelesen. Leider sehen wir keine Möglichkeit, Ihr Buch in unser aktuelles Verlagsprogramm aufzunehmen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir bei der Fülle an täglich eingehenden Manuskripten keine detailliertere Begründung für unseren Entscheid mitteilen können. Wir wünschen Ihnen mit Ihrem Buchprojekt viel Erfolg und danken Ihnen für das Vertrauen, das Sie uns geschenkt haben."

Das hier, also die Entstehungsgeschichte vom Vollopfer-Buch, ist noch nicht ganz fertig.Wenn Sie es trotzdem schon lesen wollen, warum nicht. Klicken Sie dann einfach auf diesen Text, und zwar hier: HIER.Ahaber: Sie müuessen mir versprechen, dass Sie wiederkommen... Die Geschichte geht näaemlich weiter.

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1000 bis 3000 Manuskripte von Erstautoren werden abgelehnt, bis eines veröffentlicht wird. So liest man überall. 1000 bis 3000 Schubladenschriftsteller für einen Regalschriftsteller. Gute Güte, da braucht man Geduld, Indolenz, Selbstgerechtigkeit oder ausreichend Dummheit, um nicht von vornherein sein Manuskript in die Schublade zu versorgen. Gewiss, man darf seinen Selbstwert nicht davon abhängig machen, wie viele Veröffentlichungsangebote man auf sein erstes Manuskript erhält. Aber Sie, die Super-Vitamininjektion ist so eine Absage natürlich schon auch nicht...

Eine Woche nachdem ich rund 100 Verlagen mein Manuskript geschickt hatte, hatte ich einen ersten Vertrag für die Veröffentlichung. Was für ein Glücksfall! In den kommenden Wochen sollten einige weitere hinzukommen. Damit konnten die gleichfalls eintreffenden Absagen (s. o.) ihre selbstwertzersetzende Potenz gar nicht erst entfalten.(Und um denen, die doch ein wenig Selbstwertstabilisation brauchen können, Mut zu machen: Deutlich über die Hälfte der Verlage hat bis heute nicht geantwortet.)

Beim Frühstück blieb ich am 26. März 2013 an einem Artikel im MIGROS-Magazin hängen. Dort las ich über ein neues Buch von Frank Baumann, welches im Wörterseh-Verlag erschienen sei. Frank Baumann, prima. Und WÖRTERSEH, das klingt gut. Homepage angeschaut. Sehr gut. Da muss mein Manuskript hin. Passt zwar nicht, aber der Verlag ist gut, Baumann ist gut, versuchen.Mail: Buch kurz vorstellen, Guten Tag, wär das nicht was für Sie. Und dann auf 20 Monate Wartezeit einstellen.

Von wegen!Zwei Tage später war mein komplettes Manuskript auf dem ipad der Verlagsleiterin, Frau Baumann-von Arx.Und eine knappe Woche später lese ich in einem Mail von ihr: "ich bin am lesen und ziemlich hell begeistert"

Und nun?Ein Treffen, unzählige Mails, zahllose Telefonate später ist nun ein Buch daraus geworden.Noch immer erhalte ich von Zeit zu Zeit Mails und Briefe von Verlagen. Zuletzt schrieb mir die Lektorin eines Schweizer Verlags auf meine Absage hin: "Schade für uns, gut für den Verlag Wörterseh".Habe ich Glück gehabt? Oder ist mein Manuskript wirklich aus gutem Grund das 1001. oder das 3001. ? Entscheiden Sie das, liebe Leserin, lieber Leser.Frank Köhnlein, Sept. 2013

Literatur aus dem Affenhaus?"Paul, das ist total unrealistisch.""Wieso unrealistisch?""Weil kein Mensch auf die Idee kommen würde, im Affenhaus ein Buch zu schreiben. Auf dem Tablet!""Was hast du denn für romantische Vorstellungen. Glaubst du, Schriftsteller sitzen den ganzen Tag im Cafe, trinken Espresso und schreiben in ein DinA9-Blöckchen mit unleserlicher Handschrift?""Genau so, Hepp. Genau so. Mit einem Bleistift, der auf 1.5 cm heruntergespitzt ist. Und aber trotzdem stumpf."Jetzt gut, der Kilian hat das nicht wissen können. Weil der Kilian Experte für Geographie und für Philosophie, aber nicht für praktische Sachen oder gar fürs Leben selbst.Andererseits: Dass einer ein Buch im Affenhaus auf dem Tablet schreibt, ehrlich gesagt, das ist ja auch nicht so richtig oft. Aber der Hepp hatte schon auch nicht gelogen. Er war ja selber dabei gewesen und hat dem Köhnlein unablässig aufs Tablet gestarrt.Weil wenn Sie selber schon mal in einem Affenhaus waren, das ist ziemlich schwierig, da ein Buch zu schreiben, weil die ganze Zeit "Ihhh, der isst ja sein Kacki" (Kind) oder "Das ist der Silberrücken. Der ist der Chef." (Papa) oder "Marvin, lass auch mal die Violetta nach vorne." (Spielgruppenleiterin). Da musst du von der inneren Haltung her so in eine Art Trance kommen, und da brauchst du nachher Stunden, um wieder rauszukommen. Überhaupt Psychiater ja sowieso immer mit den Ohren überall und wachsam und fokussiert, da hat der Kilian recht, man kann eigentlich keine Literatur im Affenhaus schreiben, schon gar nicht als Psychiater."Der hat deine Geschichte im Affenhaus aufgeschrieben?""Korrekt.""Ihr Psychiater seid irgendwie alle sehr - ""- besondere Menschen. Und weißt Du, was?""Ahhhhh, bewahre, langweile mich nicht länger, dafür habe ich meine Freundin.""Gut."" - "" - "" - "" - ""Also, dann erzähl' es halt, wenn du sonst schon so ein traurig langweiliges Leben führst, Paul.""Nein, es ist nicht wichtig.""Beleidigt?""Ja, aber ich würde es anders nennen. Ich würde nachdenklich sagen.""Komm, erzähl's halt, Hepp. Aber mach schnell. Ich habe heute noch was vor."Samnaun oder: Hepp meets Köhnlein"Also gut: Angefangen hat das im Engadin im September 2012. Da habe ich mich beim Köhnlein an den Tisch gesetzt, auf der Terrasse seiner Ferienwohnung.""Paul, das ist ja wahnsinnig spannend. Ich glaube, ich habe noch nie etwas so Spannendes gehört wie das jetzt. Das ist ja eine regelrechte Sensation. Da müsstest du glatt ein Buch draus machen."Freunde, aber das werden Sie selber wissen, Freunde sind ja nicht einfach gute Menschen. Der Hepp hat sich sogar manches Mal gedacht, die echten Freunde sind die Kotzbrockigen, die Hemmungslosen, die richtigen Ratten, die, von denen du quasi als Strafe zur Hochzeit eingeladen wirst. Aber ich gebe zu, der Hepp ist jetzt schon auch nicht immer so einfach zu verstehen."Ja, der Köhnlein im September 2012 in Samnaun im Engadin. Mit dem Tablet, was ein Scheiß ist, weil weißt du, Tablet und Engadiner Sonne, da siehst du den ganzen Tag nicht, was geschrieben wird, und am Abend liest du lauter Sachen, die unmöglich von dir stammen können.""Die DinA9 - Blöckchen-Schreiber kennen wenigstens das Problem nicht.""Ja. Der Wein schmeckt übrigens billig.""Paul, das ist nicht billig, das ist alt.""Ja, gut möglich. Also, der Köhnlein im Engadin, schreibt und schreibt, weil ich ihm morgens immer so viele Geschichten erzähle. Er rauf auf den Berg, schreibt die Geschichte auf, abends lesen wir das zusammen, und der Köhnlein denkt: Komisch, wer hat das geschrieben? Ich: Köhnlein, du. Er: Wetten, dass nicht?""Und das Affenhaus?""Später. Später hat er dann im Affenhaus weitergeschrieben. Und in Parks, im Zug, in der Sauna.""In der Sauna?""Ja, du weißt schon, wie ich meine.""Der hat deine Geschichte in der Sauna aufgeschrieben? Die mit dem Wieland und der Sauna? Die hat er in der Sauna aufgeschrieben?""Ja, warum denn nicht?""Einfach so."HeimkinderWeil die Geschichte mit dem Wieland, der Sauna, dem Jenal, der Yasmin, dem Noel, dem Poltrone und wie die alle heißen, das müssen Sie jetzt halt selber nachlesen, diese Geschichte war ja gar nicht so weit weg von dem, was der Köhnlein gekannt hat. Natürlich nicht das Gleiche, weil der Köhnlein zum Beispiel Fahrrad, der Hepp Fiat, was auch nicht besser ist. Aber auch die Jugendlichen und das Heim, schon anders. Aber der Köhnlein hat sich das wohl recht gut vorstellen können, wie ihm der Hepp das so erzählt hat. Weil der Köhnlein ja auch ein paar Jahre in einem Heim gearbeitet hatte, aber natürlich nicht Waldsonnenheim. Und auch nicht Yasmin, Noel, Phil, Serkan und so. Aber auch jede Menge Jugendliche, die alle Geschichten für zehn, zwanzig Bücher im Rucksack hatten. Traurige Geschichten, komische Geschichten, bizarre und merkwürdige Geschichten, unglaubliche, unglaubwürdige, unaushaltbare Geschichten. Die einen hören auf, zu essen, die anderen essen zu viel, die einen treten nach allem, was erwachsen ist, die nächsten kiffen sich in die geistige Frührente, der eine vergisst, sich zu waschen (und das monatelang), der nächste merkt, dass man mit Messer zumindest vorübergehend weiterkommt als ohne, die nächste sucht ihren Vater, seit Jahren, die andere hat zwar keinen Vater, dafür aber eine Holzkiste mit vierzehn Rasierklingen, eine haut die Wanduhr herunter, der nächste steht im zweiten Stock auf dem Fensterbrett. Und eine redet nicht mehr, die andere die ganze Zeit. Und der nächste sammelt seine Exkremente schön zusammengerollt in seinem Nachttischchen.Wie jetzt der Kilian aufgestanden ist, da hat der Hepp wieder mal ein bisschen in Kilians komischem Wohnzimmer herumgeschaut, und das war schon merkwürdig, dem Hepp war irgendwie noch nie aufgefallen, dass der Kilian so überdimensionierte, hässliche geschnitzte Holzlöffel neben dem universitätsbibliotheksgroßen Regal hängen hatte aus dunklem Tropenholz, also kitschig, aber zum Kilian hat es irgendwie gut gepasst."Die hat mir Gunda geschenkt.""Mmh.""Gunda, du weißt, die dann später die Malaria bekommen hat.""Mmh. Die Geografin?""Ja, die.""Die Bi-Gunda?""Korrekt.""Holzlöffel?""Korrekt. Willst du sie haben?""Gunda?""Heillos begeistert"oder: Kilians Buch vs. Köhnleins Buch"Und dann? Irgendwann hatte der sein Buch doch fertig, oder?""Ja. Im Januar 2013.""Schnellschreiber."Der Kilian hat etwas von dem Knabberzeug genommen, aber Knabberzeug bei Kilian, das müssen Sie sich jetzt anders denken als Sie es kennen, Knabberzeug bei Kilian hat nicht gestört, weil Knabberzeug bei Kilian nie geknirscht hat, sondern immer so ein bisschen feucht."Schnellschreiber, ja.""Und die Verlage?""Wollten es haben.""Paul, hast du was geraucht? Kein Verlag will etwas von so einem kleinen Popel-Erstautor haben. Die bekommen jeden Tag 15 bis 30 Manuskripte, alle zum Altpapier.""Ja, gut, wenn du wieder mal deine Edition 'Kritische Bemerkungen des Herrn Winkler zur Grenzlage' verschickst, Kilian.""Sag' nichts, das war ein exzellentes Manuskript.""Kein Mensch hat das verstanden. Und genauso viele haben es gelesen.""Aber es ist verlegt worden. Immerhin.""Mann, Kilian, wie viele hast du davon verkauft?""Ich war immerhin mal Essen mit den Tantiemen. Mit Marla.""Du warst mit Marla zusammen? Marla, die das Studium geschmissen hat?""Paul, das hast du gewusst. Sie war die einzige, die ich nach dir hatte. Alle anderen hatte ich vor dir.""Ja, stimmt. So fühlte sich das bei allen anderen auch an."Kein Knirschen bei den Salzbrezelchen, aber Kilians Kunstledergarnitur klang bei jeder Bewegung wie Verdauung. Das hat auch irgendwie zum Kilian gepasst."Nein, echt, der Köhnlein ruft mich eines Abends an und erzählt, das Ding werde gedruckt. Ganz sicher. Er hatte schon nach weniger als einer Woche einen Vertrag. Und dann kamen noch ein paar dazu.""Und wieso?""Was wieso?""Ich meine, es schreiben Tausende von Leuten ihre Geschichten auf, jeder Supermarktregaleinräumer schreibt heute seine Autobiographie und nennt sie dann - was weiß ich: 'Hinterm Dosenregal'. Wieso wird ausgerechnet der Köhnlein gedruckt?""Denen hat das halt gefallen. Stil, Geschichte, Köhnlein, keine Ahnung."" - ""Die Verlegerin von seinem Verlag, die hat ihm geschrieben, nein, eigentlich verlege ich keine Romane, aber schicken Sie es halt mal, klingt ja spannend. Zwei Tage später schreibt sie ihm: "bin am lesen und hell begeistert""Hat sie ihm geschrieben?""Hat sie.""Und warum?""Lies es halt.""Den Teufel werd' ich tun. Das ist ja deine Geschichte.""Ja, und?""Hepp, glaubst du, ich zieh' mir sowas rein?""He, wer mit Marla zusammen war, kennt keinen Ekel mehr."Marla, Sigmund und der StrafzettelUnd wenn der Hepp gewusst hätte, dass gerade jetzt die Marla einen Strafzettel an seine Windschutzscheibe gemacht hat, wer weiß, vielleicht wäre er gradewegs runter und hätte die Marla in seinen Fiat gepackt und nach Hause gefahren. Weil: Wenn du das mit dem Ekel sagst, heißt das ja noch lange nicht, dass du es auch meinst, weil der Freud hat nämlich gesagt, kenne ich, das machen die Leute gerne, dass sie über was schimpfen, was sie eigentlich toll finden, wie nenne ich das, ah, ich hab's, nenn' ich das mal "Reaktionsbildung", dann können sich die Damen und Herren Psychologen die kommenden Jahrzehnte schön streiten, ob es das überhaupt gibt oder nicht.Aber der Hepp hat das ja nicht gewusst. Das mit der Reaktionsbildung schon, aber das mit dem Strafzettel nicht, und da sieht man mal wieder, dass es manchmal gar nicht so viel bringt, wenn man die komplizierten Sachen versteht, die einfachen aber nicht sieht.Frank Köhnlein, September 2013

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